Muskel-"kater" ist kein Indikator für gutes Aikido-Training. Aber mit Katzen hatten wir es am Freitagabend schon zu tun, als Heike bei einer allen bekannten Übung, die wir bei uns im Verein immer mal als Staubsaugerübung bezeichneten, Bilder wie "die schlabbernde Katze" und "die kotzende Katze" ins Spiel brachte. So hielt auch der Humor sofort Einzug ins Lehrgangsgeschehen. Ein funktionell sehr ausgewogenes Erwärmungsprogramm zeigte, wo sie ihre Brötchen verdient und wie man die aus dem eigenen Training gewohnten Übungen noch einmal aufpeppen kann. Sehr schnell machte sie allen klar, wem die Matte an diesem Wochenende gehört. Heike lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Klare strukturierte Ansagen führten Anfänger wie Fortgeschrittene an Grundtechniken und Prinzipien heran. Von Anfang an hatte sie einen Blick für Haltungsmängel und hilfreiche Korrekturansagen. "... Denkt an die Marionette. Das Brustbein anheben..." war auch in den Folgetrainingseinheiten zu hören. Dass das "1-2-3-4-5-6-Spiel" verschiedene Positionen vom Stehenbleiben, über das Auf-einem-Bein-Stehen, die Hocke, das Auf-dem-Bauch-liegen, die Liegestützhaltung und die Rückenlage beinhaltete, blieb allen im Gedächtnis. Techniken, wie Shiho-nage oder Kokyo-nage waren Transportmittel für Themen wie richtiges Sabaki, korrekten Tegatana-Einsatz und aufrechte Körperhaltung.
Nachdem man sich auf der Matte mit allen angereisten Teilnehmern vertraut gemacht hatte, war Malente-typisch der gemütlich Ausklang des Abends mit, wie immer, interessanten Gesprächen angesagt. Natürlich hatte jemand das Thema Muskelkater ins Gespräch gebracht, der sich nach dieser ersten Einheit sicher nicht einstellen würde. Ein gefundenes Fressen für eine Trainerin, die genau weiß, wie man alle nötigen Muskelgruppen aktivieren kann.
"Ihr kennt alle noch das 1-2-3-Spiel und wisst noch, welchen Positionen zu den Zahlen gehören?" - So begann Heike das Morgentraining. Alle stimmten zu. - "Das braucht ihr jetzt nicht." - Diesmal standen die Zahlen für die Größe der Gruppen, die sich auf Zuruf finden mussten. So begeisterte Heike mit der Zeit Jung und Alt auf der Matte für das umfassende Aufwärmen in allen Trainingseinheiten, das bekannte Elemente enthielt, diese aber auch auf etwas ungewohntere Art mit Partner anbot. Das 1-2-3-Spiel in der ursprünglichen Form wurde in der letzten Trainingseinheit auch wieder aufgegriffen, allerdings in der Variante mit untergehaktem Partner.
Die Techniken aus der ersten Einheit folgten in den weiteren Trainingseinheiten einem roten Faden, der unterschiedliche Angriffsarten, Arbeiten mit dem Jo und Randori als Themenschwerpunkte beinhaltete. Es wurde nie langweilig.
Das Highlight dieses Lehrganges war allerdings die Samstagabend-Einheit. Nach dem rasanten Randori-Training am Nachmittag stand nun eine halbstündige Einweisung mit anschließenden zwei halbstündlichen Massagen auf dem Plan. Die Einweisung war kürzer als geplant, aber die Möglichkeit, mit einem Partner Schritt für Schritt angeleitet eine Komplettmassage durchzuführen, dabei die richtigen Griffe anzuwenden und einiges über Druckpunkte auf den Meridianen zu erfahren, war schon etwas ganz Besonderes, vor allem, wenn man es dann am eigenen Körper auch zu spüren bekommt. So muss es nicht wundern, dass wir am Ende die Einheit doch ein wenig überzogen.
So entspannt ging es dann in den Abend und so mancher hat wohl abgewogen, ob man zur Bar oder ins Bett gehen sollte.
Die letzte Einheit am Sonntag mit Ushiro-ryote-tori und Tanto-Abwehr brachte wieder ein wenig Abwechslung ins das Gesamtprogramm des Lehrgangs. Ein Kote-gaeshi, der zunächst aus Ushiro-ryote-tori ausgeführt wurde als Verteidigung gegen Shomen-tsuki mit dem Tanto machte den Unterschied wegen der nötigen Kontrolle des Messers deutlich. Ein Angriff in "Schlitzermanier" von Innen nach Außen geschwungen mit Übergabe des Tantos in die andere Hand und anschließendem Yokomen-uchi wurde mit Shiho-nage beantwortet. Auch hier musste die Kontrolle des Messers als Schwerpunkt behandelt werden.
Der Lehrgang ließ keinen Wünsche offen. So kamen die Danksagungen am Ende auch von Herzen. Ein obligatorisches Lehrgangsfoto musste noch geschossen werden, dann ging es unter die Dusche, zum Mittagessen und nach herzlicher Verabschiedung auf den Heimweg. Dort klang mir noch ein Ausspruch in den Ohren sinngemäß nach, den Heike wiederholt angebracht hatte: "Ich will Aikido nicht gesund machen. Es bleibt nach wie vor eine Kampfkunst. Ich will die gesundheitsfördernden Bewegungen im Aikido aufzeigen.", und irgendwie, sei es von der Massage oder von ein paar Bewegungen die ich bisher so nicht gemacht hatte, spürte ich meinen Rücken im Autositz. Irgendwie kann Muskelkater doch ein Indikator für gutes Training sein.
|