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Immer wenn man als regelmäßig trainierender Aikidoka mit einem Anfänger arbeitet, ist es eine Herausforderung, besonders sorgfältig beim Ausführen einer Technik zu sein. Immer? Ein Aikido-Anfänger weiß nicht, was auf ihn zukommt, und wenn eine Technik dann nicht funktioniert, ist nicht der Anfänger schuld. Vielleicht ist es die Vorsicht, die uns häufig gebietet, mit Neueinsteigern sanft umzugehen, vielleicht auch Nachlässigkeit, möglicherweise aber auch eine Routine, die sich einschleicht, wenn langjährige Trainingspartner miteinander auf der Matte stehen. Wahrscheinlich ist das ein Problem, mit dem viele Aikidoka auf dem Weg zur Wirksamkeit ihrer Bewegungsabläufe kämpfen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem eigenen Verhalten. Schnell verliert man aus dem Auge, dass der Partner eigentlich einen eigenen Fahrplan haben sollte, und der heißt "Angriff". Vielleicht kann man dem begegnen, wenn man die "Grundschule" wirklich beherrscht.
Bevor ich mich auf den Weg nach Malente machte, hatte ich mich umgehört, wer Werner Notheis eigentlich ist. Inhaber des 5. Dan Aikido, Veganer oder Vegetarier - viel mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Auf der DAB-Seite stehen noch die Informationen zur bestandenen Dan-Prüfung. Der Rest war Hörensagen. Das Thema "richtiges Angreiferverhalten" schien auf den ersten Blick den Themen "Uke-Verhalten" oder "Ukemi" zu ähneln. Grundtenor müsste demnach sein, seinen Angriff konsequent durchzuziehen oder Spaß an den 50% des Trainings zu finden, in denen man den Angreifer spielt. So weit die Spekulation. Ehrlich gesagt stand ich noch unter dem Eindruck des von Anja organisierten 2-Tage-Jugendlehrgang in Wedel, der meiner Meinung nach ein Highlight in diesem Aikido-Jahr gewesen zu sein schien. Ich hoffte auch hierüber Rückmeldung zu erhalten, da ich wusste, dass ich einige der Jugendlichen in Malente wiedersehen würde.
Nachdem Ulrich Schümann seine Begrüßung und die einleitenden Worte zum Lehrgang gesprochen hatte, ging Werner Notheis direkt zur Erwärmung über und beeindruckte mich schon hier durch seine Freiheitsgrade. Schnell ging er zu den Grundelementen des Aikido über, zu denen vor allem die "Bewegungen" oder "Schritte" gehörten. Welcher Aikidoka kennt den Tai-Sabaki und den Tenkan-ashi nicht. Doch schon hier gab es die ersten Korrekturhinweise die in ihrer Schlüssigkeit keiner weiteren Bemerkung bedurften. Wir sollten einfach darauf achten, dass die Hand beim Tai-sabaki schneller war, als die Füße. Beim Beenden der Schritte bewegte sich die bereits angekommene Hand wieder auf uns zu, was wesentlicher Bestandteil für die Führung des angreifenden Partners ist. Für mich war das ein Grundsatz, den ich mir künftig hinter die Ohren schreiben würde. Denn damit ist der Tai-sabaki eindeutig mehr als der "Gehversuch eines Passgängers".
Erste Technik für alle war der Shiho-nage. Nach kurzer Übungsphase wurde unterbrochen und ich und mein Partner wurden in die Mitte gerufen, um unsere Ausführung vorzumachen. "Das ist jetzt ein Fehler, den ihr zeigen sollt.", gab Werner laut bekannt. Ich bin inzwischen selbstbewusst genug, um ob solcher Bemerkungen nicht im Boden zu versinken. Wie sonst sollte man auf Fehler aufmerksam machen, als dass sie entdeckt, klar identifiziert und dann verhindert werden. "Ich hätte hier jedes Paar aufrufen können.", fügte er noch hinzu, was mir klar machte, dass wir jetzt eigentlich zum Thema kamen. Werner hatte seinen Schwerpunkt auf das Angreiferverhalten gelegt, aber ein aktiv mitarbeitender Angreifer erfordert einen Tori, der die Signale erkennt, die Uke ihm sendet. Für den Rest des Lehrgangs war ich darauf bedacht, mein Zentrum auf meinen Partner auszurichten, ob ich nun Uke oder Tori war. Aufgeben durfte ich als Uke erst, wenn ich keine Chance mehr hatte, Tori zu zeigen, wo die Führung nachlässt. Als Tori galt das Gleiche, denn sonst würde Uke ja eine Chance erhalten, entgegenzuwirken. Besonders deutlich wurde das noch einmal beim Ude-osae, wo man im normalen Training häufig beobachten kann, dass Uke sich wegdreht und auf den Weg zur Matte einstellt, sobald Tori einmal die Gleichgewichtsbrechung hinter sich gebracht hat. Es galt also, Tori das Zentrum so lange zuzuwenden, wie es möglich war, und wenn man am Boden ankam und sich keine Chance zum Eingreifen mehr bot, konnte man aufgeben und abklopfen. Ließ Tori aber mangels Führung die Chance zum Kontern zu, wurde dies aufgezeigt.
In der Folge lernten ich, wie man mit dem Shiho-nage lässig aber mit stetiger Führung "im Vorrübergehen spielen" kann, wie man auf einen Kokyo-nage mit einem dem Kaiten-nage ähnlichen Kokyo-nage kontert, wie sehr sich ein Sumi-otoshi und ein Ude-kime-nage eigentlich ähneln können, wenn man die "Grundschule" konsequent einsetzt und dass das Dreieck in der Symbolik "Kreis-Dreieck-Quadrat" auch einfach Schritte sein können, die zur "Grundschule" gehören und viele kleine Details die das Spiel zwischen Angreifer und Verteidiger mit mehr körperlicher Kommunikation füllen. Vermutlich hat jeder andere Teilnehmer etwas anderes besonders für sich aus dem Lehrgang mitnehmen können. Die Auswahl an Anregungen war groß.
Ulrich hatte uns vorgewarnt, dass wir angesichts der 5 Trainingsblöcke am Ende ausgepowert sein würden und mit unseren Kräften haushalten sollten, doch der Lehrgang war weniger eine konditionelle als viel mehr eine sensitive oder besser kommunikative Herausforderung. Im Kopf sind nun viele Dinge klarer, die der Körper durch stetiges Üben verinnerlichen muss. Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, mit wechselnden Partnern zu arbeiten, einige Bekannte wieder zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Ich freue mich darauf Werner wieder einmal in einem Lehrgang zu begegnen. Ich erhielt auch positive Rückmeldung zum Wedel-Lehrgang von den Eltern, Trainern und Teilnehmern, was mich in der Ansicht bestärkt, dass kontinuierliche Bereitschaft, etwas für die Jugendlichen in den Verbänden auf die Beine zu stellen mehr ist als nur eine Aufgabe. (Und ja, die Wehrwölfe sind unter uns ... ;^) )
[1] Bruchsaler Budoclub
[2] Aikido-Verband Schleswig-Holstein

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