Als ich die Teilnehmerliste sah, war ich wieder einmal überrascht und hoch erfreut. Neben dem Organisator Ulrich Schümann (5. Dan) und der angekündigten Lehrerin Barbara Oettinger (5. Dan), sollten auch Thomas Oettinger (5. Dan), Gerd Bennewitz (5. Dan) und Roland Nemitz (5. Dan) zu den Teilnehmern des Lehrganges gehören. Leicht in Internet zu recherchieren ist, dass es sich dabei um 5 Mitglieder der Technischen Kommission des DAB handelt. Das versprach ein Wochende mit 4 Einheiten Aikido vom Feinsten zu werden. Im Programm stand auch eine Gesprächsrunde, in der die aktuelle Situation des DAB zum Gesprächsthema werden sollte. Dass Politik ins Programm gehört, war vorprogrammiert, da die aktuelle Situation gerade hier im Norden Deutschlands vom Wandel geprägt ist.
Innerhalb des DAB gab es vor Kurzem eine Änderung der Prüfungsordnung für Kyu-Grade. Die bisher in AUD und DAB gleichartigen Prüfungstabellen unterscheiden sich nun in einer Hinsicht. Der DAB ist im Sinne "back to the roots", dazu übergegangen, den Nikyo wirklich als zweite Stufe der Bodentechniken abzuprüfen. Ergo muss der Kote-Mawashi nun nicht erst zur Braun-Prüfung beherrscht werden, sondern bereits zur Grüngurt-Prüfung. Grund genug, um diese Technik in die Trainingseinheiten einzubauen und üben zu lassen. Weitere Schwerpunkte im Taijutsu setzte Barbara in der Verkettung von Techniken, und im Randori-Training. Bei allem war Thomas auf der Matte unterwegs um sich mit wahlweise ausgesuchten Trainingspartnern genauer zu beschäftigen. So erhielt ich Gelegenheit, mit ihm zu trainieren und bekam diverse Anregungen, um meine Ausführung der Techniken zu präzisieren. Er achtete auf so grundsätzliche Dinge, wie den korrekten Abstand, die Gleichgewichtsbrechung durch Richtungsänderung oder die Arbeit vor dem Zentrum. Bereits am Freitagabend hatte ich das Gefühl, dass da noch einiges Interessante kommen würde.
Das Randori-Training am Samstag wurde in mehrere Abschnitte aufgeteilt, so dass anfangs je vier Paare und am Ende alle übrigen ihr Können auf vorgegebene Angriffsarten überprüfen konnten. Dadurch erhielten wir nicht nur Gelegenheit das Randori zu trainieren, sondern die Lehrgangsteilnehmer dabei auch zu beobachten. Mein Eindruck war, dass hier die meisten schon ziemlich gut aussahen. Es gab kaum zögerliche Versuche, eine Technik durchzuführen. Von den Meistern in der Teilnehmer-Runde konnten wir routinierte Ausführungen und abwechslungsreichen Umgang mit den Techniken bewundern.
Meine Erfahrungen mit Lehrgängen sagten mir bisher, dass man garantiert Waffentraining erwarten kann, wenn man einen den japanischen Verbänden verbundenen Meister, oder Rainer Braunhardt (7. Dan) von der ACI begegnet. Lehrer von DAB oder von der AUD hatte ich allenfalls mal mit dem Stab arbeiten sehen, wenn es um die Ausführung von Handtechniken auf größere Distanz ging. Doch ich hatte die Rechnung ohne Barbara und Thomas gemacht. bereits am Samstagnachmittag war das Jo mitzubringen, und was dann abging, war faszinierend für mich, und sicher auch für alle anderen, denn es wurde genug Zeit eingeräumt um die vorgeführten Techniken schrittweise zu erlernen und zu üben.
An diesem Samstagnachmittag ging die Trainingseinheit schon mit einer umfangreichen Erwärmung am Stab los. Das Jo wurde zu Spielobjekt für Geschicklichkeitsübungen in der Gruppe, diente als Massage-Hilfe, als Abstandshalter für Dehnübungen und wurde zum Nunchaku umfunktioniert um die Schultermuskulatur in einem komplexen Bewegungsmuster zu erwärmen. Wir sind über den Stab gewandert, ganz langsam, von den Zehen bis zum Hacken und zurück - Reflexzonen-Massage pur, und haben schließlich einige in unserem Verein bekannte "Jonglierübungen" begonnen. Diese wurden allerdings um eine Variante erweitert, bei der der Stab frei außen um die Hand herumlaufen konnte um anschließend übernommen zu werden und in der anderen Hand das gleiche Spiel zu absolvieren.
Kernthema der Samstags- und der Sonntagseinheit war dann der erste Teil der Stabkata, die man im Buch von Barbara und Thomas Oettinger nachschlagen kann. Da ich das Buch noch nicht kannte, ging ich bis zum Sonntagmorgen davon aus, dass wir die 13'er Kata üben, denn die ersten vier Schritte haben beide Formen gemein. Am Sonntag im zweiten Teil der Stabkata wurde dann aber nicht wie in der 13'er Kata ein rückwärtig angenommener Angreifer abgewehrt, sondern die Richtung beibehalten und dabei die Hasso-Position eingenommen. Besonders reizvoll an dieser Kata ist, dass man die gelernten ersten beiden Abschnitte 1:1 mit einem Partner üben kann, während beim Kumi-Jo der 13'er Kata 3 Partner stets mit dem gleichen Angriff lauern.
Als Barbara und Thomas zum Schluss des Lehrgangs auch noch die komplette Kata vorführten, war das Bild rund.
Wir waren sicher alle beeindruckt von der Professionalität, mit der Barbara und Thomas diesen Lehrgang in Angriff genommen hatten. Stets hatten sie den Überblick, überall waren sie zur Stelle um bei der Ausführung der Techniken zu helfen und sie haben es verstanden, uns 4 Einheiten lang mit stets neuem spannenden Übungsstoff zu versorgen. Bleibt mir nur zu sagen, Danke Barbara und Thomas für diesen sensationellen Lehrgang und Danke Ulrich, dass du das mal wieder so toll organisiert hast.
[1] Technische Kommission des DAB
[2] Aikido-Verband Schleswig-Holstein
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