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“Ich freue mich ja, wenn man an mir die Handschrift meines Lehrers erkennt,
aber dass ich auch seine Leiden übernehme...”, merkte Edmund an, als er halb
entschuldigend auf eine Knieoperation verwies, die ihm das Abknien beim Ausführen einer Technik verbot. Das dies der Qualität seines Seminars keinen Abbruch tat, war allen vorher klar. Viel interessanter an der Aussage war, dass
schon seine ersten Kiais und seine Bewegungen sehr an die von Saito Sensei,
wie man sie aus den Lehrvideos kennt, erinnern. Als Edmund Kern (8. Dan -
Kyoshi) das erste Mal in Japan bei Saito Sensei trainierte, war ich zwei Jahre
alt. Bis ich den Weg zum Aikido fand, vergingen noch 35 Jahre. Wieviel Erfahrung ein Mensch mir vorraus hat, der Aikido schon so lange betreibt, wie ich
lebe, sollte ich an diesem Wochenende erleben.
Alfred, unser Trainer, hatte schon vor einem Jahr, als wir unser 5-jähriges
Jubiläum mit einem Ukemi-Lehrgang feierten, angekündigt, dass er Edmund Kern
für dieses Jahr gewinnen konnte. Seitdem freute ich mich auf dieses Wochenende. Die Organisation stellte uns vor mittelschwere Probleme, denn wir hatten
damit gerechnet, dass, wie im letzten Jahr, maximal 40 Teilnehmer diesen Lehrgang wahrnehmen würden. Schon seit Beginn des Jahres war klar, dass wir mit
50 bis 60 Teilnehmern rechnen durften. Eine größere Halle musste her. Unser
Dojo in der Ellernreihe konnte diese Masse an Leuten auf der Matte nicht mehr
fassen. Dank der Judoka unseres Bramfelder Sportvereins konnte dieses Pro-
blem rechzeitig aus der Welt geräumt werden. “Helmi’s Treff”, die Gaststätte
im BSV-Zentrum war ebenfalls auf den Empfang einer großen Gruppe eingestellt,
so dass ein abendliches Buffet unser leibliches Wohl sicherstellen konnte.
Hanmi heißt halber Körper
Doch so weit war es noch nicht. Vor dem gemütlichen Teil, standen zwei sehr
interessante und intensive Trainingseinheiten im Stil des Takemusu-Aikido. Edmund legte Wert auf wesentliche Grundlagen und gründliche Erklärungen dazu
parat, die er sprachlich gut illustrierte. “Hanmi heißt halber Körper”
erklärte er, und fand Beispiele aus dem Leben der Samurai, die natürlich
bemüht waren, einem bewaffneten Angreifer so wenig Körperfläche wie möglich
entgegenzustellen. Mit dem richtigen Hanmi eine Wende um 90◦ durchzuführen,
bedarf kaum größerer Bewegung. Beide Füße müssen um 90◦ auf der Stelle
gedreht werden, und man steht wieder im richtigen Hanmi. Diese einfache
Wahrheit sollte jedem Anfänger von Anfang an in jeder Trainingseinheit
mitgegeben werden. Das Hanmi spielt in jeder Aikido-Technik eine wesentliche
Rolle. So war es natürlich für jeden Teilnehmer verständlich, das dieses
Detail am Anfang des Seminars in jeder Technik, die wir üben durften eine
Rolle spielte. Vom Gelbgurt bis zum 4. Dan hatte kaum jemand Probleme,
Techniken auszuführen, die im Trainingsalltag meist erst den erfahrenen
Schülern auferlegt werden.
Wie ein Stein
“Bei jeder Technik muss man Uke so preparieren, dass er am Ende fällt, wie
ein Stein.” Diese Aussage habe ich schon von verschiedenen Aikido-Lehrern
gehört und mir zur Maxime gemacht. Dahinter steht eigentlich eine klare Richtlinie. Man muss seinen Angreifer führen. Bricht die Führung ab, ist der
Angreifer nicht mehr aus dem Gleichgewicht zu bringen. Erst wenn die Führung
des Angreifers in der Gleichgewichtsbrechung endet, kann man am Ende einfach
loslassen und der Angreifer hat keine andere Möglichkeit, als zu Boden zu
gehen. Um diesen Effekt nachzuvollziehen, fand Edmund Wege, uns schrittweise
heranzuführen.
Die Bewegungsabläufe wurden anfangs immer langsam und mit Augenmerk auf
wesentliche Details ausgeführt und anschließend als fließender Ablauf geübt,
um den rechten Zeitpunkt der Aufnahme und den richtigen Weg der Führung
zu finden.
Jo und Bokken
Wer sich mit Saito Sensei und Iwama Ryu befasst hat, weiß, dass dies die
einzige Schule ist, die von O Sensei Ueshiba ermächtigt wurde, die
Waffentechniken
zu prüfen und zu zertifizieren. Ich war nicht sehr überrascht, dass wir BSVler
die grundlegenden Übungen (Suburi) bereits kannten und an Feinheiten feilen
konnten. Unser Trainer hat seit Bestehen der Aikido-Sparte immer großen Wert
auf das Training der Waffentechniken gelegt. Überraschend - und das im postiven Sinn - war, dass Edmund es nicht darauf anlegte, mit uns die 13’er oder
31’er Kata zu üben. Denn das Verdienst von Saito Sensei war, die von O Sensei erlernten Techniken zu systematisieren und für die Verbreitung in
Kata-Form aufzubereiten. Neu war für mich, dass O Sensei nicht nur 2 sondern
4 Jo-Katas weitergegeben hatte. Das hat mich neugierig gemacht. Denn von
einer 22’er Kata habe ich schon mal gehört. Die vierte Kata ist mir noch
nicht untergekommen. Die Ken-Suburi die wir am zweiten Seminartag üben
durften, waren mir auch nicht neu, aber die Details, von Edmund erklärt,
zeigten mir, dass wir mit Alfred einen aufmerksamen Schüler Edmund Kerns zum
Trainer haben. Das beherrschen der Ken-Suburi ist für die waffenlosen
Techniken grundlegend. So bearbeiteten wir auch die ersten 5 Ken-Übungen die
die Grundlage für den richtigen Umgang mit dem Ken und für effektive
Aikido-Techniken bilden. Den krönenden Abschluss bildeten die Techniken, bei
denen man unbewaffnet einen Angreifer mit Bokken entwaffnet und dabei wirft.
Resumee: Wir haben in Edmund Kern einen Lehrer gefunden, der wohl bedacht und gut strukturiert vorgeht, wenn er ein Seminar abhält. Es war etwas
ganz Besonderes für uns als Verein, ihn für unseren Vereinslehrgang als Lehrer
gewinnen zu können. Seine freundliche aber bestimmende Art, korrektem Vorgehen beim Üben der Techniken den Vorrang zu geben, gab allen Teilnehmern
die Möglichkeit so effektiv, wie in zwei Tagen möglich, Aikido im
Takemusu-Stil zu üben.
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