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Jugendlehrgänge sind für mich immer eine spannende Angelegenheit. Einerseits
soll organisatorisch alles klappen, andererseits möchte ich natürlich, dass
alle teilnehmenden Kinder und Jugendlichen nicht nur lernen, sondern auch
möglichst über den gesamten Zeitraum Spaß haben. Markus war mit seiner Kieler
Truppe rechtzeitig angereist. Er machte ob der Anmeldeformalitäten und meiner
organisatorischen Geschäftigkeit seine Scherze übers Beamtentum, aber das konnte
ich gelassen nehmen, denn lieber hatte ich gleich zu Beginn Ordnung, als dass
ich später in Hektik gerate. Vertreten waren neben den Kielern Aikidoka aus dem
Aikido-Club Harburg, dem SC Alstertal-Langenhorn, der Hamburger Turnerschaft
Barmbek-Uhlenhorst und dem Bramfelder SV. Björn aus Kaltenkirchen war vom
Markus gebeten worden, sich ebenfalls anzumelden, denn er brauchte jemanden,
der größer als er selbst war. Als Rolf, der Trainer, ihn anmeldete, schrieb er
von einem Heranwachsenden. Als ich Björn sah, dachte ich spontan,
"Herangewachsen ist er doch schon."
Die Verpflegung war organisiert,
Getränke standen bereit, die BSV-Gruppe hatte am Vorabend die gesamte
Mattenfläche ausgelegt, O Sensei stand auf seinem Platz - es konnte also los
gehen.
Dieser zweite Jugendlehrgang des Jahres versprach von Anfang an, eine tolle
Veranstaltung zu werden. Einerseits war mit der Kombination Agnes-Markus schon
im letzten Jahr ein sehr gelungener Lehrgang durchgeführt worden, andererseits
hatten die beiden sich diesmal mit dem Thema "David gegen Goliath" eines
Problems bemächtigt, das gerade bei Kindern und Jugendlichen, vielleicht auch
bei vielen Frauen in den Erwachsenengruppen auf offene Ohren stoßen würde.
Agnes übernahm nach einem erwärmenden Handballspiel auf den Knien (Fortbewegung
sollte eigentlich im Shikko oder durch Rollen erfolgen, was bei einer gut
besetzen Matte fast unmöglich war) die Leitung des Trainings und erklärte
noch einmal, wie man auf den Knien richtig geht. Danach ging es an die
erste Technik. Beim Kaiten-nage (uchi) machte Agnes deutlich, dass Kraft
oft nicht reicht, um einen Partner in Bewegung zu halten oder zu bringen. Mit
einer diagonalen Abwärtsbewegung führte sie ihren Angreifer an sich vorbei,
nachdem sie unter seinem Arm durchgeschlüpft war und nahm die Hand elegant auf,
um den Arm dann über den gebeugten Rücken des Angreifers nach vorn zum Abwurf
zu bewegen. Jedem war klar, dass es nach unten gehen musste, und da sollte
Uke ja sowieso landen. Die Kinder war sichtlich motiviert und machten das Beste
aus dem Gezeigten. Gleiches galt für die Tenkan-Fassung. Den Kote-mawashi hatte
Agnes danach im Programm. Einige Teilnehmer machten hier die ersten Erfahrungen
mit den Tücken dieser Technik.
Als Markus nach der Trinkpause das Training übernahm, hatte er noch
einen
weiteren Ansatz, der das Thema "Klein gegen Groß" auf den Punkt brachte.
Zum Thema Shiho-nage holte er erst mich in die Mitte und zauberte dann
Horst-Rüdiger aus dem Gi. Das nach vorn gerichtete Maul des Handpuppenkrokodils
zeigte deutlich die Richtung an, ich wirbelte herum und lag auf dem
Rücken während Markus neben mir kniete. Mehrfaches Wiederholen brachte
zwar jeden zum Schmunzeln, aber das Ziel der Übung war erreicht. Die Bewegung
sollte deutlich machen, wie man Ukes Schulter "aktiviert". Horst-Rüdiger
konnte aber nicht nur den Shiho-nage.
Es folgten weitere Techniken, an denen gezeigt wurde, wie man den
Größenunterschied kompensiert. Es ist
immer wieder ein Erlebnis, Markus bei seinen Gleichnissen zuzuhören. Mitten im
Training konnte ich mich des Lachens nicht mehr erwehren, als er meinte: "Der
Irimi-nage ist ab hier eigentlich ein Schwächeanfall des Nage." Deutlich wurde
damit, dass man sein Zentrum nach unten bewegen musste, um Ukes Schulter in eine
schräge Lage zu bringen, was wiederum Uke nach unten in Bewegung hielt.
Nach dem Mittagessen in der Vereinsgaststätte des BSV
trafen sich die Hamburger Teilnehmer zu einer kurzen Vollversammlung. Meine
Wahl als Jugendleiter sollte nach Ablauf der Amtsperiode laut Jugendordnung
bestätigt werden. Die Jugendlichen kamen einstimmig zu dem
Ergebnis, dass ich meine Aufgaben weiter wahrnehmen darf. Weiterhin wurden die
Teilnehmerzahlen zum Jugendlandestraining angesprochen, wobei es Zustimmung
dahingehend gab, dass es schade wäre, das JLT wegen zu geringer Teilnahme
irgendwann wieder streichen zu müssen. Der Ausblick auf den nächsten
Jugendlehrgang mit Joachim Eiselen und Bernd Klusmeier im Juni und den
Herbstlehrgang mit Dagmar und Alfred Haase erfolgte und bald darauf ging die
Nachmittagstrainingseinheit los.
Das Training hatte bereits wieder begonnen, als uns Alfred Haase, unser Trainer
und der aktuelle 1. Vorsitzende
des AVHH, besuchte. Nach seinen Angaben wollte er sehen, was es zum Thema "David
gegen Goliath" für Ideen umzusetzen gibt. Als Markus mit Horst-Rüdiger kurz
darauf noch einmal den Kote-mawashi (Tenkan) aufgriff und an einem Partner
zeigte, dass es sich eigentlich um eine Technik handelt, bei der man sich erst
an den Arm des Uke und später zum Bauch des Nages "kuschelt", waren in der
Übungsphase kaum noch ein Teilnehmer zu sehen, der versuchte, mit aller Kraft
den Ellenbogen des Angreifers nach unten zu drücken. Um die korrekte Ausrichtung
von Ober- und Unterarm zu verdeutlichen, sprach Markus von einer Murmel, die man
an der gegriffenen Hand einwirft, zum Ellenbogen rollen lässt und dann weiter
bis zur Schulter des Uke. In der darauf folgenden Übungsphase war nur zu
erahnen, wen Horst-Rüdiger mehr beeindruckt hatte, und wen das Gleichnis mit der
Murmel erreicht hatte.
Auch in dieser Nachmittagseinheit wechselten sich Markus und Agnes zwischendurch
mit der Leitung der Trainingseinheit ab. Dank Sven waren wir durchgängig zu
viert auf der Matte und konnten den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Am Ende stand fest, dass die Zeit viel zu schnell vergangen war. Markus
musste überziehen um seine Lieblings-Lehrgangs-Standardtechnik "Te kagami" an
die Leute zu bringen.
Gegen 16:00 Uhr waren die Teilnehmer auf dem Heimweg und ich bin mir sicher,
dass 24 Teilnehmer zu Hause von Horst-Rüdigers einzigartigen
Kampfkunstqualitäten berichten würden.
Danke Markus, danke Agnes, danke Sven, das müssen wir unbedingt wiederholen.
A. Kalbitz
[1] (Ein Bericht von Markus Hansen)
[2] (Ein Bericht von Agnes Schröder)
[3] (Bilder vom
Lehrgang)
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