Der kleine, gemeine, fiese Bretone

Ein Lehrgang mit dem 6. Dan Pierre Congard

Der Lehrgangstag begann wie die meisten Tage mit dem Aufstehen. Eine kleine Hürde, wenn man wie wir am Vortag zu spät ins Bett gegangen war. Zu einer dennoch studentenfreundlichen Zeit machten wir uns auf den Weg zur Sporthalle. Dort angekommen trafen wir auf ungewöhnlich viele neue Gesichter. Die meisten der Anwesenden kannten anscheinend das Aufwärmprogramm bereits und waren routiniert dabei. Selber war ich noch nicht ganz in der gewohnten Aikido Atmosphäre angekommen, was sich allerdings schnell ändern sollte. Pierre Congard zeigte und erklärte mit sympathischem Akzent die ersten Techniken. Dabei achtete er darauf, dass seine eigenen Schüler aus Schwerin den anderen Teilnehmern halfen. In der ersten Runde trainierten wir mit dem Bokken.

Zwar ist der Satz „Das Bokken ist nur eine Verlängerung des Armes“ mir durchaus geläufig, dennoch fühlte ich mich so geschickt wie eine Zweijährige, die erste Versuche mit einem Löffel startet. Aber in kleinen Schritten wurde es besser und konzentriert übten wir die Techniken. Auf das Zentrum achten, einen sicheren Stand haben, Gleichgewichtsbrechung,... irgendwie klingt das nach denselben Punkten, die man auch beim Aikido ohne Waffen beachten muss. Beim Vorzeigen der Techniken war Pierre nicht nur Meister, sondern gleichzeitig Entertainer. Die Aufmerksamkeit der Lehrgangsteilnehmer sicherte er sich mit kleinen Späßen zwischendurch: „Er ist groß und hat lange Arme. Er ist nicht so klein und fies wie ich, aber muss er sich jetzt seinen Arm abschneiden? Nein. Die Kunst von Aikido ist es, einen Nachteil als Vorteil zu nutzen.“

Nachdem wir alle vorherigen Techniken noch einmal wiederholt hatten, ging es weiter mit einer kleinen Kuchenpause. So hatte man Zeit sich mit den Anwesenden auszutauschen und sich ein Stück Apfelkuchen zu genehmigen. In der zweiten Einheit lernten wir Techniken, in denen Uke sowie Nage einen Jo in den Händen hatten. Schritt für Schritt übten wir eine Jo-kata. Das Tempo, in dem uns die Techniken präsentiert wurden, hielt Pierre relativ hoch. „Wer es immer langsam übt, macht es in 40 Jahren immer noch langsam“, meinte er. Also hatten wir uns nach vier Stunden Training nicht nur neues gelernt sondern uns auch gut bewegt. Der Lehrgang hat mir die Möglichkeit gegeben, mit netten Leuten zu trainieren und zudem eine Menge noch zu Lernendes offenbart. Vielen Dank an Pierre Congard für die neue Inspiration und an Christian Recke für die Einladung und für die Ausrichtung dieses Lehrgangs. Ach ja: Der vollständige Titel dieses Berichts ist übrigens dasResultat einer Diskussion mit Pierre, dem fies und klein nicht reichte und noch „gemein“ mit im Titel haben wollte.


Autor/in: Tabea Windelberg
Fotos: Christian Recke